mit Katrin Meyberg

Ein Gespräch über das Untertiteln aus dem Chinesischen


Katrin Meyberg lebt in Berlin und ist seit 2005 als audiovisuelle Übersetzerin mit den Arbeitssprachen Englisch, Französisch und Chinesisch tätig. Ihre Arbeit umfasst die Gewerke OmU-Untertitel, Voiceover-Übersetzung, Übersetzung für Synchron sowie Audiodeskription. Zudem erstellt und fährt sie Übertitel für Theaterhäuser in Berlin. Mit der Schaubühne und dem Berliner Ensemble war sie im Oktober 2024 als Übertitlerin in Taiwan. Im Mai 2026 hat sie das Berliner Ensemble erneut bei deren Gastspiel nach Taipeh begleitet. Katrin ist seit 2017 AVÜ-Mitglied und war vier Jahre lang Teil des Vorstands.

Wie bist du zum audiovisuellen Übersetzen gekommen?

Ich habe eigentlich schon in meinem Studium damit angefangen. Ich habe Sprachen studiert: Anglistik-Amerikanistik an der Humboldt-Universität im Hauptfach und im Nebenfach Französisch und Europäische Ethnologie. 2002 habe ich ein Praktikum gemacht, bei Alias Film in Charlottenburg. Das war super. Ich habe natürlich am Anfang auch Kaffee gekocht und gelernt, wie man den perfekten Milchschaum macht und das Archiv aufgeräumt und so. Aber es war eine tolle Erfahrung. Das Büro war in einer riesigen Charlottenburger Altbauwohnung mit fünf Meter hohen Decken und alten Kaminen. Und die Leute waren nett. Da gingen auch Filmemacher ein und aus, das war beeindruckend als damals Anfang 20-Jährige. Zunächst habe ich kleinere Sachen gemacht. Ich musste zum Beispiel VHS-Kassetten verschicken, zu Arte nach Straßburg. Damals lief alles über DigiBetas und VHS. Wir hatten riesige Maschinen zum Untertiteln, die an DOS-Rechner angeschlossen waren. Man hatte einen super Sound und konnte nichts falsch machen, es war alles schön manuell. Das Tolle war: Es gab dort eine angestellte Untertitlerin, und der durfte ich über die Schulter gucken. Sie hat mich auch immer gefragt, was ich denke und wie ich kürzen würde. Irgendwann hat sie mir die Funktionen gezeigt. Die waren relativ einfach zu lernen, weil es nicht so viele gab. Das war super, weil man sich auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Ich hab also während dieses Praktikums das Untertiteln gelernt. Und nach dem Praktikum wollte die Kollegin gerne, dass ich weitermache, ihr ein bisschen zur Hand gehe, weil sie einfach viel zu tun hatte.

Hattest du dich bewusst für ein Praktikum dort entschieden, weil das was mit Film zu tun hatte, oder war das Zufall?

Das war Zufall. Die Firma gehörte der Tante meiner Freundin Janna [Anm.: AVÜ-Mitglied Janna Düringer], und wenn irgendwie Not am Mann war, half sie dort ein bisschen neben dem Studium aus. Irgendwann meinte sie: „Katrin, mach du das doch“. Zumal sie auch nicht aus dem Französischen übersetzt, und die hatten oft französische Projekte, weil sie viel für Arte gearbeitet haben. Es war also wirklich Zufall – ein glücklicher Zufall. Dann war aber geplant, dass ich nach meinem Grundstudium ein Jahr ins Ausland gehe. Ich bin dann nach Straßburg gegangen, ausgerechnet. Und als ich zurückkam, haben sie mir nach und nach eigene Aufträge gegeben.

Hast du da frei gearbeitet, oder warst du angestellt?

Frei, ich war dort nie angestellt. Es war schon nett da. Einmal kam beispielsweise Valeska Grisebach mit einem deutschen Film, der englische Untertitel brauchte. Ich sollte mit ihr, glaube ich, die Abnahme machen, gemeinsam mit einem englischen Kollegen. Und dann stellte sich heraus: Sie hatte im Dorf meiner Oma gedreht! Sie hatte viel mit Laiendarstellern gearbeitet, und meine Tante war in dem Film …

Nein! Dann siehst du da plötzlich deine Verwandtschaft?

Das Personal meiner Kindheit tauchte auf dem Bildschirm auf! Und sie meinte so: „Ach, das ist ja auch eine ganz schöne Frau.“ – „Das ist meine Oma!“ Und meine Tante stand da an so einer Kaffeetafel mit einer Flasche Sprühsahne. Es war total absurd. Lange habe ich fast ausschließlich für diese Firma übersetzt und untertitelt.

War für dich da auch schon klar, dass du nach deinem Studienabschluss deinen Nebenjob zum Hauptjob machen möchtest? Oder hast du gedacht: Na ja, mal gucken?

Ja, eigentlich schon. Ich habe das total gerne gemacht. Natürlich habe ich gemerkt: Also, so gut verdient man damit nicht, und manchmal gibt es Flauten. Aber ich war eigentlich ganz gut angebunden. Und ich konnte mir auch nicht so richtig was anderes vorstellen. Manchmal dachte ich schon: Ach, das ist jetzt aber auch ein bisschen bequem. Jetzt bleibe ich hier und mache nichts anderes, und irgendwas entgeht mir vielleicht. Aber irgendwie war das voll meins, es hat total gepasst. Nach dem Studium habe ich dann ein Jahr voll gearbeitet. Und dann dachte ich: Okay, jetzt bin ich Ende 20, vielleicht muss ich doch noch was anderes machen. Und ich wollte nochmal ins Ausland. Das war aber alles ein bisschen unspezifisch. Dann habe ich eine Freundin in Taiwan besucht, die Sinologin ist und dort studiert hat. Und ich war total geflasht von Taiwan und von Taipeh. Dann habe ich Leute kennengelernt, die dort Chinesisch gelernt haben und erfahren, dass es Stipendien gibt, die Taiwan an Ausländer vergibt, die dort für ein Jahr Chinesisch lernen, und denen auch noch genug Taschengeld gibt, dass sie da ganz gut leben können. Und dann habe ich mir das in den Kopf gesetzt, bin zurückgeflogen und dachte: Okay, jetzt bewerbe ich mich da auch. Aber diese Stipendien waren vor allem für Amerikaner, weil die USA mit Taiwan damals viel engere politische Beziehungen pflegten, und für Deutschland gab es genau zwei Plätze. Von denen ich keinen bekommen habe. Ich war ziemlich enttäuscht, aber dann dachte ich: Egal, ich mache es trotzdem. Und dann habe ich mich dort an der Uni für ein Sprachprogramm eingeschrieben, einen Intensivkurs, der über mehrere Monate ging. Und dann war ich da, an der großen Uni in Taipeh mit dem schönen Campus und habe jeden Tag drei, vier Stunden Chinesisch gehabt.

Und wie lange warst du dann in Taiwan?

Neun Monate insgesamt. Ich hatte mir ein halbes Jahr vorgenommen, aber es war so eine tolle Zeit, ich habe so nette Menschen kennengelernt. Nach neun Monaten ging mir die Kohle aus. Und da war auch die Überlegung: Ich kann jetzt hier nicht einfach immer nur ewig Chinesisch lernen, ich muss ja auch irgendwie arbeiten. Und dann bin ich ein bisschen geplättet wieder abgereist und hab echt geheult im Flugzeug. Ich glaube, ich habe noch nie etwas gemacht, bei dem ich innerlich so angetrieben war. Ich wollte das so unbedingt. Nach meiner Rückkehr hab ich relativ schnell entschieden: Ich muss wieder zurück. Ich habe dann das inzwischen eingeführte Work-and-Travel-Visum erhalten, für ein Jahr, und mich erst einmal wieder an der Uni eingeschrieben. Und dann habe ich eine Stelle gefunden, als Übersetzerin aus dem Englischen ins Deutsche bei einer großen Gaming-Firma. Inhaltlich war das zwar nicht so meins, aber uns ging es da ziemlich gut, und ich hatte die feste Stelle, die ich brauchte, um in Taiwan bleiben zu können. Das habe ich dann ein paar Jahre gemacht.

Wie lange warst du dann nochmal da?

Ich war dann nochmal drei Jahre in Taipeh. Es waren insgesamt also fast vier mit der ersten Zeit als Studentin.

Bist du dann zurückgekehrt mit der Überlegung im Hinterkopf: Ich habe jetzt noch eine dritte Sprache, also Chinesisch, die ich als audiovisuelle Übersetzerin anbieten kann?

Erst war ich noch in Hongkong. Ich hatte in Taiwan meinen Freund kennengelernt, der ist aus Hongkong. Und dann bin ich zu ihm gezogen und hab da noch ein Jahr gelebt. Dort habe ich ein bisschen Kantonesisch gelernt, aber das war schwer anzuwenden, weil dort viel mehr Leute Englisch sprechen als in Taiwan. In Hongkong habe ich dann eine Zeit lang transkribiert fürs Gericht, englische Zeugenprotokolle. Dadurch habe ich eine unglaubliche Toleranz entwickelt beim Abhören, auch wenn ich das nicht gerne mache. Nach einer Weile wusste ich, das ist kein Job, den ich mein Leben lang machen möchte. Und dann habe ich irgendwann überlegt: Okay, entweder bleibe ich in Asien, für immer, oder ich muss mal langsam darüber nachdenken, ob ich nicht zurück nach Berlin gehe. Für mich war eigentlich klar: In Hongkong kann man nicht leben ohne einen Business-Background, und den hatte ich absolut nicht und auch keine Ambitionen, mich da einzufinden.

Inwiefern unterscheidet sich deine Arbeitsweise, wenn du aus dem Chinesischen übersetzt im Vergleich zu Englisch oder Französisch? Hast du identische Arbeitsmaterialien? Bei Hindi-Projekten war es zum Beispiel lange so, dass Materialien fehlten, die man für englische Projekte bekommt. Eine Conti zum Beispiel. Man hatte dann irgendein Transkript, das aber nur bedingt mit den tatsächlichen Dialogen im Film übereinstimmte. Ist das bei chinesischen Filmen ähnlich?

Die Materiallage ist ähnlich, das kommt total drauf an, leider. Ich habe auch schon Filme zähneknirschend übersetzt, ohne dass ich ein Skript hatte.

Oh, du hast komplett abhören müssen?

Na ja, ich hatte vielleicht eine englische Untertitelliste oder so. Manchmal gibt es auch tatsächlich eine chinesische Untertitelliste. Aber oft habe ich irgendein Skript, bei dem dann ganz viel fehlt. An kritischen Stellen sind dann Lücken, weil die Person, die es abgehört hat, auch nicht weiterkam. Das liegt aber auch daran, dass Chinesisch unglaublich viele Varietäten hat, also Dialekte. China ist einfach ein Riesenland, und nicht alle sprechen Hochchinesisch, und schon gar nicht in den Filmen, die bei mir landen. Das sind oft Festivalfilme, kleine Filme, deren Besonderheit ist, dass sie auf dem Land oder in einer ganz bestimmten Region spielen. Ich habe also deswegen oft kein Hochchinesisch vor mir, und dann ist es natürlich besonders heikel, wenn das Skript nicht gut ist. Bevor ich einen Auftrag annehme, sage ich auch immer an, dass ich erst in den Film reinschauen muss, ob ich das überhaupt verstehen kann, und dass ich ein Transkript brauche.

Neulich habe ich einen taiwanischen Dokumentarfilm untertitelt, in dem ein Protagonist einen Sprachfehler hatte, und bei Dokumentarfilmen ist die Materiallage ja meist noch schwieriger. Da musste ich mich ganz lange reinhören. Das ist wirklich nicht einfach. Solche Sachen halten mich regelmäßig auf.

Und was sind die besonderen sprachlichen Herausforderungen?

Die Sprache ist einfach sehr kontextuell, und das ist der Unterschied zum Englischen und Französischen. Es gibt oft kein Subjekt in einem Satz. Da muss ich erst mal überlegen, wer spricht, oder wer ist angesprochen? Gerade, wenn eh schon unklar ist, wer da mit wem redet, wird es schwierig. Die Höflichkeitsformen und Anreden sind natürlich ganz anders. Dann gibt es eben auch Sachen, die man eigentlich vermeiden möchte. Ich will nicht jedes Mal „Bruder Wang“ schreiben, auch wenn das der Bruder ist, oder „Meister sowieso“. Das ist aber erst mal auch wichtig, um ein Verhältnis klarzustellen. Da muss man also abwägen, denn im Deutschen gibt es Siezen und Duzen. Im Chinesischen gibt es auch eine Form für ein höfliches Sie, die wird aber eher selten verwendet. Das drückt sich dann eben anders aus, durch bestimmte Floskeln zum Beispiel. Und dann gibt es viele Homophone, also viele Worte, die gleich klingen, aber etwas ganz anderes bedeuten. Und es gibt Zeichen, die wiederum je nach Kontext unterschiedlich ausgesprochen werden und dann auch unterschiedliche Sachen meinen. Dieses Kontextuelle ist beim Chinesischen die große Schwierigkeit.

Und wenn dann noch dazukommt, dass du abhören musst oder ein unvollständiges Skript hast … Also eigentlich bräuchtest du mehr Material als bei einem …

Genau. Und auch mehr Zeit.

Ja!

Und mehr Geld.

Das auch! Kriegst du denn für einen chinesischen Film mehr Zeit als für einen englischen oder französischen?

Nein, nicht per se. Das kommt immer drauf an. Wenn der Film für ein Festival ist, ist die Zeit immer knapp. Also nein, eigentlich nicht. Wenn ich Glück habe, werden die Sachen relativ früh angekündigt. Aber bei den letzten Filmen, die ich gemacht habe, war die Zeit immer relativ knapp. Und für „Monster Hunt 2“ zum Beispiel habe ich damals zehn Tage Zeit gehabt, vom Erhalten des Bilds bis zur Ablieferung. Und das war … sportlich.

Über diesen Film würde ich gerne noch kurz mit dir sprechen. Ich hab ihn mit einer Kollegin auf der Berlinale gesehen, ich glaube, das war 2018. Ich wusste überhaupt nicht, was mich da erwartet und bin vor allem reingegangen, weil ich ein großer Tony Leung-Fan bin. Und wir sind fast vom Stuhl gefallen vor Lachen. Der Film ist ja so eine überdrehte Fantasy-Komödie, und Humor ist grundsätzlich tricky zu übersetzen. Beim Untertiteln muss man zudem noch kürzen und kondensieren. Und dann gibt es ja einfach auch kulturspezifischen Humor, der manchmal nicht gut übertragbar ist oder nur so bedingt funktioniert. Erinnerst du dich daran, wie du an diesen Film herangegangen bist, damit es für ein deutsches Publikum Sinn macht UND lustig ist?

Der Film war unglaublich schnell geschnitten. Ich habe erst auch total kurze Untertitel gemacht, um nicht ständig über den Schnitt zu titeln. Ich weiß noch, dass es nachher im Lektorat hieß: „Wir müssen da längere Einheiten draus machen.“ Ich war damit echt überfordert, weil die meisten Filme für Festivals ja oft auch eher lange Einstellungen haben. Bei chinesischen Filmen hatte ich noch nicht so oft das Problem, dass sie flott geschnitten sind. Und jeder Satz ein Treffer sein muss. Das war nicht einfach. Und der Humor funktioniert im Chinesischen oft auch über so kurze Sprüche, sogenannte Chengyus. Das sind Redewendungen, die aus vier Zeichen bestehen und eine tiefe Bedeutung haben, die man aber unmöglich in der Kürze der Zeit, die ein Untertitel stehen kann, übersetzen kann. Die sind allgemein bekannt und werden ständig benutzt, auch im Alltag, und dieser Film war voll davon. Und dann gab es diesen Sprachwitz, dass zwei Zeichen, die gleich klingen, aber unterschiedlich geschrieben werden und unterschiedliche Bedeutungen haben, ausgetauscht werden, um einen Witz zu erzeugen. Manchmal muss man natürlich einfach darüber hinweggehen und an anderer Stelle witzig sein, oder zumindest versuchen, diesen Slapstick-Humor zu vermitteln. Dann gab es so eine Fußballszene, da musste ich mir dann Fußballsachen draufschaffen…

Kurzpass!“

Genau! Hier ein Pass und da noch irgendwas, und ich bin überhaupt keine Fußballerin. Beim Chinesischen muss man zudem immer viel kürzen. Es wird ein Satz gesagt, aber im Deutschen ist nur Zeit für ein Wort. Bei „Monster Hunt 2“ war das extrem schwer, weil kein Platz da war, dieses Schnelle und Prägnante hinzubekommen und dabei irgendwie witzig zu sein. Ich glaube, man muss sich oft wirklich sehr weit weg vom Original entfernen und versuchen, so eine situative Komik anders einzufangen. Natürlich wälze ich mich erst durch die Originaltexte, um zu gucken, was da genau gemeint ist. Und wenn ich nicht auf Anhieb eine Übersetzung finde und weiß, ich muss hier ganz tief reingehen, dann ist das meistens schon ein Zeichen dafür, dass ich dafür in den Untertiteln keinen Platz haben werde und mir was anderes überlegen muss. Einerseits ist das dann weiter weg vom Original, andererseits ist das aber gerade wichtig beim Chinesischen, damit man nicht so eine wahnsinnig metapherlastige, blumige Sprache transportiert, die im Deutschen nicht funktioniert. Und das ist für mich, glaube ich, immer der Anspruch.

Brauchst du, wenn du einen chinesischen Film untertitelst, mehr Durchgänge? Um einen Abstand zu bekommen, dann nochmal reinzugehen und zu merken, okay, hier muss ich doch freier werden?

Genau. Das ist genau der Grund, warum es länger dauert. Und ich halte dann auch mehr Rücksprache. In so einer Situation suche ich mir auf jeden Fall muttersprachliche Hilfe. Das habe ich bei Englisch und Französisch viel, viel weniger. Da gibt es das auch mal, aber da ist es einfach kulturell nicht so, dass ich denke: Oh, hier könnte ich richtig danebenliegen. Gerade in einem Film wie „Monster Hunt 2“ gibt es ja auch diese Mythen, diese chinesischen Legenden, die Philosophie, das spielt alles im Hintergrund mit. Das hat alles eine Bedeutung. Das kann ich natürlich nicht ausbreiten, aber bei einem Chinesen, der den Film sieht, läuft dieser ganze Hintergrund mit. Und das ist ja beim deutschen Publikum anders. Und das heißt dann, der Film wird anders rezipiert, aber das ist dann so. Ich kann ja keine Fußnoten machen. Das so zu abstrahieren, zu wissen, „okay, diese Figur muss ich irgendwie reinbringen“, oder „der muss zumindest immer noch so heißen, weil das ein literarischer Bezug ist“ – das ist ein wichtiger Teil der Übersetzungsarbeit. Namen sind auch nochmal eine andere, eigene Schwierigkeit im Chinesischen. Wegen all dieser Herausforderungen habe ich auch bei jedem Film, der mir angeboten wird, einen Riesenrespekt und gucke ihn mir erstmal ganz genau an. Und ich versuche, mir jedes Mal darüber klarzuwerden, worauf ich mich einlasse. Manchmal liegt man auch daneben, und dann kämpft man halt mehr. Ich habe auch eine gute Kollegin, mit der ich gerne zusammenarbeite, eine Chinesin. In einen Austausch zu gehen, ist dann unglaublich wertvoll. Aber die Zeit muss man eben auch haben, und das ist ja manchmal das Problem.

Die Frage ist auch: Wird das extra bezahlt?

Eigentlich nehme ich das meistens auf meine Kappe. Es ist schwierig, das nochmal beim Kunden anzumelden, wenn es am Ende irgendwie hakt. In solche Projekte fließt eben viel Herzblut. Und trotzdem mache ich sie einfach total gerne. Man wächst auch unglaublich an diesen Filmen.

Kommen wir schon zur letzten Frage, die nach deinem Lieblingsprojekt. Du musst nichts Chinesisches nennen. Einfach irgendwas, an dem du besonders gern gearbeitet hast.

Der Film „Cooking Up Democracy“ von Monika Treut über die Demokratie Taiwans – der wird dieses Jahr bestimmt ins Kino kommen – hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Das liegt natürlich an meiner Schwäche und Nostalgie für Taiwan. Da hänge ich immer noch dran, obwohl es jetzt schon lange her ist, dass ich dort gelebt habe. Aber sobald mir ein taiwanischer Film angeboten wird, bin ich immer Feuer und Flamme. Die Filmemacherin versucht wirklich zu begreifen, wie die Menschen in Taiwan ticken, wenn es auch gerade trotz ihrer politischen Situation darum geht, die Demokratie zu stärken. Sie sind so unter Druck in Bezug auf China und dem ganzen geopolitischen Schlamassel, in dem sie stecken. Und sie hat ganz tolle Protagonist*innen, denen sie viel Raum gibt. Sie hat wunderbar eingefangen, wie es für die Leute vor Ort möglich ist, unter der Bedrohung ein normales Leben zu führen und wie sie einen Umgang damit finden, wie lebendig dort Demokratie gelebt wird, trotz allem.


Das Gespräch führte Sonja Majumder