{"id":289,"date":"2026-07-09T10:17:54","date_gmt":"2026-07-09T10:17:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.avue-ev.de\/?p=289"},"modified":"2026-07-09T12:09:53","modified_gmt":"2026-07-09T12:09:53","slug":"auf-eine-tasse-tee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.avue-ev.de\/?p=289","title":{"rendered":"Auf eine Tasse Tee \u2026"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-right has-accent-color has-text-color has-link-color has-larger-font-size wp-elements-b6fc36b37dcf055b3e39a5d61ff740a5\"><br>\u2026 <strong>mit Johanna Czerny<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:20px\"><br><strong>Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Videospiellokalisierung und Brettspiel\u00fcbersetzung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Johanna Czerny hat Germanistik und Kunst, Musik, Theater an der LMU in M\u00fcnchen studiert und ihren Master in Literarischem \u00dcbersetzen gemacht, ebenfalls in M\u00fcnchen. Sie \u00fcbersetzt aus dem Englischen ins Deutsche und dies in den Bereichen Videospiele, Literatur und Brettspiele. Seit 2023 ist sie AV\u00dc-Mitglied und seit Februar 2026 1. Vorsitzende unseres Verbands. Johanna lebt und arbeitet in N\u00fcrnberg.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-295\" srcset=\"https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web-676x451.jpg 676w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Czerny___2025_06_24-17-web.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Alexandra Heinzmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Liebe Johanna, die erste Frage w\u00e4re: Wie bist du zum audiovisuellen \u00dcbersetzen gekommen? War das etwas, das du dir schon im Studium \u00fcberlegt hast? Oder hast du mit diesem Wunsch vielleicht sogar schon angefangen zu studieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin relativ zuf\u00e4llig zum audiovisuellen \u00dcbersetzen gekommen. Ich habe nach der Schule nicht gewusst, was ich machen soll und mich dann f\u00fcr Germanistik eingeschrieben, weil ich gern gelesen habe. Nach dem Studium war ein Auslandsjahr in Kanada geplant, Work and Travel in Montreal. Dann habe ich mich erst mal informiert: Was kann man da machen? \u201eAh, Montreal ist total gro\u00df in der Gaming-Branche. Und die suchen da \u00fcberall Gaming-Tester, die Fremdsprachenkenntnisse haben.\u201c Also, LQA-Tester, die Spiele quasi in den verschiedenen Sprachen testen. Und dann habe ich mich da beworben. Das war der allererste Job, den ich gemacht habe, der mir so richtig getaugt hat. Ich habe w\u00e4hrend dem Studium viel gejobbt und sowas, aber es war das erste Mal, dass ich mir dachte: Oh mein Gott, da m\u00f6chte ich arbeiten. Und mit \u201eda\u201c meine ich, in der Gaming-Branche&nbsp;\u2013 ich w\u00fcrde gerne was mit Gaming machen. Aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur mit Sprachen gearbeitet. \u00dcberhaupt keine Programmierkenntnisse oder irgendwas dergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber du hattest schon Kontakt mit Gaming, also, du hast schon gespielt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau, ich habe leidenschaftlich gerne Videospiele gespielt, aber hatte sonst vorher nicht viel damit zu tun. Der Job in Kanada hat mir die Augen ge\u00f6ffnet, dass ich ja auch mit Sprache was mit Gaming machen k\u00f6nnte. Dann kam mir der Gedanke, ich k\u00f6nnte, wenn ich wieder zur\u00fcck in M\u00fcnchen bin, einen Master in Literarischem \u00dcbersetzen machen und Videospiel\u00fcbersetzerin werden. Diesen Master habe ich dann angefangen mit diesem festen Ziel. Da war ich die Einzige in meinem Studiengang, der ist ja auf literarisches \u00dcbersetzen ausgelegt. Die meisten wollten B\u00fccher \u00fcbersetzen oder vielleicht noch Lyrik oder sowas, aber mit den Games war ich da die Einzige. Und dann kam Corona. Ich habe 2020 meinen Abschluss gemacht und habe mich dann nicht direkt getraut, mich selbstst\u00e4ndig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verst\u00e4ndlich \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe dann erst einen Umweg \u00fcber die Schule gemacht und habe ein Jahr als Lehrkraft an einer Berufsschule gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Oh cool! Was hast du da unterrichtet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das nannte sich Teamlehrkraft, Teamteacher. Das war quasi eine Stelle, die nur f\u00fcr Corona geschaffen wurde. Ich habe die Lehrkr\u00e4fte unterst\u00fctzt, die nicht vor der Klasse stehen durften, weil sie Vorerkrankungen hatten, weil sie zum Beispiel schwanger waren. Ich habe haupts\u00e4chlich so Orga-T\u00e4tigkeiten gemacht: Bin in die Klassenzimmer gegangen, habe Bl\u00e4tter ausgeteilt und den Beamer aufgestellt, und die Lehrkraft hat dann hybrid unterrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht auch nicht ganz einfach ist, einen Fu\u00df in eine Branche zu kriegen, wenn man w\u00e4hrend des Studiums noch gar keine Ber\u00fchrungspunkte mit ihr hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, mein einziger Ber\u00fchrungspunkt mit dieser Branche und diesem Beruf war dieses Auslandsjahr und die Zeit in dieser Firma. Und das war dann auch tats\u00e4chlich mein Einstieg. Ich hatte online immer mal wieder geschaut, wo Gaming-\u00dcbersetzys gesucht werden, habe mich beworben, auch auf Inhouse-Stellen hier in Deutschland. Ich habe mehrere Tests gemacht, die aber alle nicht bestanden am Anfang, weil ich das Feld und seine Herausforderungen nat\u00fcrlich noch gar nicht verstanden habe. Und den ersten Test, den ich bestanden habe, der war bei dieser Firma, f\u00fcr die ich in Montreal schon gearbeitet hatte. Das war dann mein Einstieg in die Branche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was genau beinhaltet die Videospiel-\u00dcbersetzung alles? Bei Serien oder Filmen ist es ja relativ eindeutig, auch f\u00fcr Menschen, die sich nicht gro\u00df damit besch\u00e4ftigen. Man \u00fcbersetzt halt das, was gesagt wird. Aber bei Videospielen umfasst das ja viel mehr.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fange mal an einer Ecke an, aber das ist ein gro\u00dfes Fass. Also, was \u00fcbersetzen wir bei Videospielen? Nat\u00fcrlich alle Texte, die vorkommen. Fr\u00fcher bei Tetris, da waren es halt das Men\u00fc und die Buttons, die man klicken kann, und vielleicht noch der Wertungsscreen am Ende. Mittlerweile sind Videospiele ja riesige narrative Kunstwerke geworden mit mehr W\u00f6rtern als jedes Buch. Und die gro\u00dfen Rollenspiele, die es heutzutage gibt \u2026 \u201eBaldur&#8217;s Gate 3\u201c, was in den letzten Jahren sehr gro\u00df war, hat zum Beispiel mehrere Millionen W\u00f6rter, also mehr als die ganze Harry-Potter-Reihe zusammen. Und wo sind diese ganzen W\u00f6rter? Es sind Dialoge von Charakteren, von NPCs, die man in dieser Welt treffen kann. Dann Beschreibungen von irgendwelchen Items. Vor allem in diesen gro\u00dfen Rollenspielen hat man dann manchmal auch B\u00fccher, die man anklicken und lesen kann. Und R\u00e4tsel, dann nat\u00fcrlich Filmsequenzen, Tutorials, auch nach wie vor diese ganzen UI-Texte [Anm.: User Interface, Schaltfl\u00e4chen usw.]. Aber auch alles um das Spiel herum, Marketing-Texte. Manchmal kriegt man vielleicht auch Guidebooks. Manche Kolleginnen von mir machen Comics zu Videospielen. Das geh\u00f6rt alles noch so ein bisschen dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und kann man sich auch spezialisieren auf bestimmte Aspekte oder Textarten, oder macht man grunds\u00e4tzlich immer alles?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Grunde ja. Man kann nat\u00fcrlich immer mal sagen, das mache ich jetzt nicht, da habe ich jetzt keine Zeit f\u00fcr. Vor allem bei gro\u00dfen Games zieht sich die \u00dcbersetzung teilweise \u00fcber Monate oder \u00fcber Jahre, wenn sie ganz riesig sind. Dann kriegt man nicht einen Text am St\u00fcck, sondern kleine Batches. Und wenn dann mal ein Batch Rechtstexte dabei ist, und man hat \u00fcberhaupt keine Ahnung davon, dann kann man das auch ablehnen und zum Beispiel eine Kollegin daf\u00fcr empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was liegt euch beim \u00dcbersetzen denn an Arbeitsmaterial vor? Nur Texte oder auch Bildmaterial? Oder eine Beschreibung, anhand derer ihr euch schon mal mit dem Spiel vertraut machen k\u00f6nnt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im besten Fall kriegen wir das. Das kann sehr wenig oder sehr umfangreich sein. Manchmal hat man vorher zum Beispiel schon einen Steam-Key, mit dem man sich das Spiel auf dem PC installieren und es mal anspielen kann. Manchmal ist das Spiel aber auch noch in der Entwicklung und man kriegt nur Referenzmaterialien, Screenshots, Worldbuilding-Dokumente, die beschreiben, wie die Welt aufgebaut ist, Charakter-Steckbriefe oder sowas, die man dann durchgehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber in der Regel arbeiten wir nur mit Texten. Im schlimmsten Fall kriegen wir einfach nur ein Excel-File mit dem Text und m\u00fcssen uns dann vorstellen, wo das Ganze in dem Spiel steht. Und man hat vielleicht noch eine kleine Beschreibung, worum es in dem Spiel geht, was f\u00fcr ein Genre das ist. Je mehr Kontext man zus\u00e4tzlich bekommt, desto fundiertere Entscheidungen kann man nat\u00fcrlich treffen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-296\" srcset=\"https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1-676x451.jpg 676w, https:\/\/blog.avue-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/BP-A_2024-01-_A7V1331_1600Pix_70-1.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Birgit Pechler<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Arbeitet man denn immer in einem Team? Das Ausma\u00df, das du beschrieben hast, kann man ja fast gar nicht alleine packen, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, bei gro\u00dfen Titeln arbeitet man eigentlich immer in einem Team. Aber bei kleineren Spielen, oder wenn man fr\u00fch genug in den Prozess miteinbezogen wird und einfach genug Zeit hat, kann das auch mal eine Person machen. Also, dann kann eine Person \u00fcbersetzen. Aber wir wissen ja alle, dass ein \u00dcbersetzungsprozess nicht nur aus \u00dcbersetzung besteht, sondern dass noch das Lektorat dazukommt und dann eben LQA, was ich in Kanada damals gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Team zu arbeiten, finde ich pers\u00f6nlich immer sch\u00f6n, weil das audiovisuelle \u00dcbersetzen ja eine sehr einsame Sache sein kann. Gleichzeitig muss man sich dann immer abstimmen, und das kann mal besser und mal schlechter klappen. Wenn du Teil eines Teams bist \u2013 kennt ihr euch dann? Oder k\u00f6nnt ich euch vielleicht sogar als Team melden, wenn ihr zum Beispiel schon mal ein Projekt gemeinsam cool durchgezogen habt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist sehr unterschiedlich. Bei kleineren Kunden kennt man sich eher, und kann sich manchmal auch Kollegys ins Boot holen, mit denen man gut und gerne zusammenarbeitet. Bei gro\u00dfen Kunden kann man sich das in der Regel nicht aussuchen und wird gerne mal zusammengew\u00fcrfelt. Je nachdem, welche Kommunikationsm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung gestellt werden, l\u00e4uft das mit der Koordination dann mal mehr und mal weniger rund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber ihr seid dann schon alle in einer Zeitzone, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht unbedingt. Die allermeisten Auftraggeber sind international. Deswegen sitzt man meistens allein mit diesen Leuten schon mal in einer anderen Zeitzone, mit den Agenturen dann vielleicht noch mal in einer anderen und die Kollegys sind auch auf der ganzen Welt verteilt. Selbst wenn sie ins Deutsche \u00fcbersetzen. Also eigentlich sind die Zeitzonen sehr wild durchmischt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Krass! Kann man sich denn auf bestimmte Genres spezialisieren? Und gibt es Dinge, wo du sagst: \u201eDas mache ich total gerne\u201c, oder: \u201eDavon lasse ich lieber die Finger, weil ich das doof finde oder weil ich mich damit zu wenig auskenne?\u201c Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich keine Horrorfilme \u00fcbersetze, weil ich selbst keine gucke. Abgesehen davon, dass ich mich zu Tode gruseln w\u00fcrde, kenne ich mich mit dem Genre nicht aus und k\u00f6nnte dem Film nicht gerecht werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man spezialisiert sich schon mit der Zeit auf Genres. Wenn man genug Arbeit hat und es sich aussuchen kann. Und es macht auch Sinn, weil die Anforderungen in den unterschiedlichen Genres ja auch sehr auseinandergehen. Ich arbeite noch nicht so lange in der Lokalisierung, dass ich jetzt schon die eine Nische h\u00e4tte, die ich mache, oder die Sachen, die ich auf keinen Fall machen w\u00fcrde. Ich habe auch vieles noch nicht ausprobiert. Aber zum Beispiel Sportgames&nbsp;\u2013 ich kenne mich einfach mit Sportarten nicht so gut aus. Ich habe noch nie eins angeboten bekommen, aber die w\u00fcrde ich jetzt vielleicht nicht unbedingt machen. Was ich gemerkt habe, ist, dass sehr technische Science-Fiction-Spiele nicht so mein Ding sind. Das w\u00e4re vielleicht auch was, das ich eher einem Kollegy \u00fcberlassen w\u00fcrde. Aber was mir total liegt, was ich total gerne mag, sind zum Beispiel Dating-Spiele. Das macht einfach sehr viel Spa\u00df. Generell Visual-Novel-Spiele, die sehr dialoglastig aufgebaut sind. Und wenn es dann noch einen Romance-Anteil gibt&nbsp;\u2013 das macht mir einfach richtig viel Freude. Oder Fantasy-Rollenspiele. Die machen mir auch meistens Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Du \u00fcbersetzt ja auch Brettspiele. Wie bist du dazu gekommen? Hast du dir das auch aus so einer eigenen Leidenschaft heraus \u00fcberlegt, oder war das so ein bisschen ein Zufallsding?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sage \u201eja\u201c zu beidem. Ich bin ein gro\u00dfer Brettspiel-Fan. Ich habe eine gro\u00dfe Familie, und wir spielen schon immer viele Gesellschaftsspiele, die komplexen und die einfachen. Eines Tages, als ich gerade im Akquise-Modus war, habe ich auf LinkedIn einen Post von einer Brettspiel-Agentur gesehen, die sich auf Brettspiellokalisierung spezialisiert hat. In diesem Post ging es dann auch noch um gendersensible Sprache in Brettspielen und wie wichtig das ist. Ich fand das so sympathisch und habe denen direkt geschrieben, ob ich f\u00fcr die arbeiten kann. Und so hat sich das ergeben. Seitdem habe ich auch mit dem einen oder anderen Entwickler direkt zusammengearbeitet und hoffe, das noch ein bisschen ausweiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00fcrdest du sagen, dass das Brettspiel\u00fcbersetzen im Vergleich zum Videospiel\u00fcbersetzen ein bisschen technischer ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ironischerweise ja, da man sehr auf die Exaktheit der Sprache achten muss, weil die Sprache der Funktionstr\u00e4ger ist. Bei Brettspielen \u00fcbersetzt man haupts\u00e4chlich die Regeln, dann vielleicht Spielmaterial und die Schachtel. Die Regeln sind das Kernst\u00fcck des Ganzen, und die m\u00fcssen einfach unmissverst\u00e4ndlich sein und funktionieren. Bei den Videospielen hast du die Grafik, hast du den Controller, was auch immer. Und wenn dann die Sprache nicht ganz so exakt ist, kannst du trotzdem meistens das Spiel spielen. Die Sprache ist in den allermeisten F\u00e4llen nicht der Punkt, der das Spiel unspielbar macht, wenn es nicht gerade ein R\u00e4tsel ist. Aber bei den Brettspielen ist das so. Wenn die Sprache nicht funktioniert und man dadurch die Regeln nicht versteht, dann funktioniert das Spiel nicht. Deswegen ist es einfach sehr, sehr, sehr wichtig, das gut, gewissenhaft und exakt zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hast du beim Videospiel\u00fcbersetzen dagegen dann eher so ein bisschen den Freiraum, einen gewissen eigenen Flair reinzubringen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, in der Regel schon. Man fragt vielleicht nochmal bei den Entwicklern nach, ob die das so wollen, ob ihnen ihre eigene k\u00fcnstlerische Vision sehr wichtig ist, oder ob man da ein bisschen freier werden darf. Aber dann kann man da auch ein bisschen spielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Du \u00fcbersetzt ja auch Literatur. Kannst du irgendwie ermessen, wie die Anteile sind zwischen Videospiellokalisierung, Brettspiel- und Literatur\u00fcbersetzung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat sich jetzt in den letzten Jahren ein bisschen ge\u00e4ndert. Zun\u00e4chst habe ich haupts\u00e4chlich Videospiele gemacht. Das waren eigentlich 100% bis 80% meiner Auftr\u00e4ge. Mittlerweile versuche ich, ein bisschen mehr Literarisches zu machen. Einfach, weil die literarische \u00dcbersetzung planbarer ist. Da habe ich meistens einfach mehrere Monate Zeit, um an einem Text zu sitzen und kann dann zwischendrin vielleicht noch was reinschieben. Aber ich wei\u00df, dass ich f\u00fcr die paar Monate Arbeit habe, w\u00e4hrend bei Videospielen alles sehr schnelllebig ist und man gerne mal f\u00fcr jetzt gleich bis in ein paar Tagen angefragt wird und deswegen nicht so weit vorausplanen kann. Und die ganzen Gaming-Sachen und auch Brettspiele, die lassen sich einfach viel leichter dazwischenschieben. Deswegen ist es aktuell, ich w\u00fcrde mal sagen, 50% Literatur, 40% Videospiele, 10% Brettspiele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es denn ein Lieblingsprojekt, das du hattest? Und warum war es dein Lieblingsprojekt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber muss ich echt ein bisschen nachdenken, weil ich viele Projekte habe, an denen ich gerne gearbeitet habe, aber \u00fcber manche darf ich noch nicht sprechen. Bei anderen gab es wirklich gute Aspekte, aber andere Sachen waren so: Nee. Aber wenn ich eines nennen m\u00fcsste, dann w\u00e4re das \u201eHaste: Broken Worlds\u201c. Das war ein Plattformer, ein Rennspiel im w\u00f6rtlichsten Sinne. Also, man f\u00e4hrt nicht mit dem Auto durch die Gegend, sondern man rennt vor dem Ende der Welt weg. Hinter einem bricht die Welt in sich zusammen und man versucht, bis ins n\u00e4chste Portal zu springen, um nicht im Nichts zu verschwinden. Das war wirklich ein tolles Projekt, in dem ich das Vergn\u00fcgen hatte, ein paar der lustigsten Lines meiner ganzen Karriere zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><br>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Sonja Majumder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 mit Johanna Czerny Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Videospiellokalisierung und Brettspiel\u00fcbersetzung Johanna Czerny hat Germanistik und Kunst, Musik, Theater an der LMU in M\u00fcnchen studiert und ihren Master in Literarischem \u00dcbersetzen gemacht, ebenfalls in M\u00fcnchen. 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